Jede Unterdrückung kennt Gegenmassnahmen. Man kann sich wehren und wer einmal die eigene Angst überwunden hat staunt über die Vielfalt der Möglichkeiten. Als Sozialarbeiterin weiss ich, dass Akten angelegt werden. So beschloss ich ebenfalls Akten anzulegen. Telefongespräche, Begegnungen protokollieren hilft zur Verarbeitung und dient als persönliches Beweismittel. Heute bin froh um als Schriftliche, das ich besitze. Vieles sehe ich nun aus einer neuen Perspektive. Mein Einsatz war gross und dieser gibt nun Boden zur familiären Klärung.
Eine Mutter hat sich entschlossen ein Tagebuch zu schreiben (s. unter BETROFFENE, Gabi Belgacem). Ein Ehepaar hat einen Protest-Musterbrief entworfen, den Bekannte und Verwandte in ihrer Version an die zuständige Behörde schicken konnten. In einem anderen Fall haben sich Verwandte und Bekannte brieflich für ein Mädchen eingesetzt, das sich dem Zwang, ihren Vater besuchen zu müssen widersetzte. Familien gewinnen so einen neuen Wert. Über einen angezweifelten Vater wurde ein Fragebogen ausgearbeitet. Freunde, Arbeitskollegen, Bekannte können ihn ausgefüllt an Behörden schicken. Eine Protestkundgebung ist eine weitere Variante. Sei es bei einem Gerichtstermin oder im Dorf. Die Massnahmen gilt es genau abzuwägen, um sich nicht einer sektenhaften Lächerlichkeit preiszugeben. Fachliche Begleitung ist sinnvoll. Wo sich die Spannung zwischen den Betroffenen und den Behörden allzusehr aufgeschaukelt hat, hilft das Hinzuziehen einer Begleitperson. Sei dies aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis oder einer Fachperson.
Gemeinsame Aktionen stärken das Selbstbewusstsein, Familien spüren Zusammenhalt, Freunde lernen sich beizustehen. Nicht jeder Versuch des Protestes gelingt. Was immer resultiert, man ist danach ein Schritt weiter, findet neue Klarheit. Deshalb darf man nie stehen blieben.
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